Andachten

Andacht

Andacht 23. September 2022

23. September 2022 | Reinhold Paul

Andacht 23. September 2022

Bildnachweis: Gerd Schmid

Ja, wir sind voll Zuversicht und würden unseren jetzigen Körper gern verlassen, weil wir dann daheim beim Herrn wären.

Wenn ich während meiner Tätigkeit als Pastor Menschen in ihrem Zuhause besuchte, las ich in manchen Wohnungen den Spruch: „Jeder Mensch braucht ein Plätzchen und sei’s noch so klein, von dem er kann sagen: Hier, das ist mein. Hier leb ich, hier lieb ich, hier ruhe ich aus; hier ist meine Heimat, hier bin ich zu Haus.“ Darin kommt die Sehnsucht der Menschen nach einem Ort zum Ausdruck, wo sie fern von Stress, Hektik und allen Zwängen ein Leben in Ruhe, Frieden und Geborgenheit führen können. Von Anfang an hatte der Schöpfer für uns eine solche paradiesische Heimat vorgesehen, die die Menschen leider durch ihr Fehlverhalten Gott gegenüber verloren. Sie mussten hinaus in die raue, kalte und notvolle Welt, in der ihr Leben zu einem beständigen Kampf wurde. Alle Bemühungen, diese Welt wenigstens zu einer Ersatzheimat umzugestalten, sind letztlich nicht von dauerhaftem Erfolg gekrönt. Der Mensch kann seine Lebensverhältnisse zwar umgestalten, aber sein egoistisches Denken und Handeln komplett abzulegen, das vermag er nicht. In seiner Gier macht er stattdessen immer wieder seinen Mitmenschen ihre „Ersatzheimat“ streitig. Noch nie zuvor gab es auf unserer Erde so viele Millionen Flüchtlinge und Heimatvertriebene wie in unserer Generation. Immer wieder ringen Menschen auf die eine oder andere Weise um ihr Recht auf Heimat. Von einer anderen Heimat, einem Zuhause bei Gott, spricht der Apostel Paulus im Brief an die Korinther. In seinem mühevollen und entbehrungsreichen Leben ohne ein Zuhause kann man seine Worte gut verstehen. Doch hier schwingt zweierlei mit: Einerseits verschweigt er sein Heimweh und seine Vorfreude auf die Heimat bei Jesus nicht. Andererseits lässt er sich den klaren Blick für die Aufgaben in dieser Welt nicht verbauen, solange Gott ihn gebraucht (Phil 1,21–26). Auch wir sollten mit beiden Beinen fest in diesem Leben stehen und in Liebe unsere Aufgaben treu erfüllen. Andererseits brauchen auch wir uns unseres Heimwehs nach Gottes heiler Welt nicht zu schämen.

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