Andachten

Andacht

Andacht 24.11.2021

24. November 2021 | Elí Diez-Prida

Andacht 24.11.2021

Bildnachweis: Gerd Schmid

Esau fragte noch einmal: „Hast du wirklich nur einen einzigen Segen? Mein Vater, segne doch auch mich!“ Und er begann laut zu weinen.

Als Kind war ich beim Spielen eine „Heulsuse“. Ich konnte einfach nicht verlieren! Da fing ich gleich zu weinen an. Bis ich als Teenager die Lösung meines Problems entdeckte: Ich avancierte zum erfolgreichen Spieleorganisator und selbst ernannten Spielleiter bzw. Schiedsrichter. Das Problem war gelöst – zur Zufriedenheit aller und zum eigenen Schutz! (Inzwischen habe ich gelernt, in Würde zu verlieren.) Beim jungen, kräftigen Jäger Esau ging es um etwas Ernsteres als um ein Spiel oder um die Jagdbeute: Der Erstgeborene des Vaters hatte Anspruch auf den Doppelanteil des Erbes, das war ein Privileg, aber er hatte auch Pflichten. Dazu gehörte vor der Errichtung des Heiligtums, den Opferdienst zu versehen. Und er sollte das Familienoberhaupt nach dessen Tod ersetzen, um die Einheit der Familie zu erhalten. Esau scheint dieses Geschenk Gottes, der Erstgeborene mit Rechten und Pflichten zu sein, nicht geschätzt zu haben. Er ging damit um, als wäre es ein Spiel, die Jagd auf das beste Stück. So tauschte er sein Erstgeburtsrecht gegen eine Schüssel Linsensuppe ein. Seinem Bruder Jakob war es aber ganz ernst dabei. Als Esau das merkte, war es bereits zu spät: Er hatte zu hoch gepokert! Verzweifelt weinte er, als sein Vater nicht mehr in der Lage war, dem jüngeren Bruder den Segen des Erstgeborenen zu entziehen. Im Neuen Testament wird das so kommentiert: „Da war es zu spät zur Umkehr, obwohl er bittere Tränen vergoss.“ (Hbr 12,17 NLB) Bittere Tränen vergoss auch Petrus, nachdem er seinen Herrn dreimal verleugnet hatte. Er fand Vergebung und konnte neu starten. Warum gelang es Esau nicht? Bei Petrus waren es Tränen der Reue, der tiefen Enttäuschung darüber, seinen Herrn, den er liebte, im Stich gelassen zu haben. Bereute Esau die Tat (Gottes Geschenk abgewiesen zu haben) oder nur die Folgen (keinen Doppelanteil am Erbe, keine ehrenvolle Stellung)? Ich wünsche mir und allen Lesern so eine innige Beziehung zu Gott, wie sie Petrus zu Jesus hatte. Dann werden wir immer wieder den Weg zurück zum Vater finden.

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