Andachten

Andacht

Andacht 30.03.2021

30. März 2021 | Nicole Spöhr

Andacht 30.03.2021

Bildnachweis: lama-photography / photocase.de

Wenn dein Feind hungrig ist, dann gib ihm zu essen; ist er durstig, gib ihm zu trinken.

Eines meiner Lieblingsprojekte wurde gecancelt – einfach so. Natürlich wurden Gründe aufgeführt: Es koste zu viel Geld, zu viel Zeit (letzten Endes also auch Geld). Rational mag das nachvollziehbar sein, doch ist das wirklich unsere höchste Prämisse, unser Ziel? Sollte es nicht vorwiegend um Menschen und ihre Bedürfnisse gehen?, denke ich in meinem Ärger. Ich bin wütend und enttäuscht und stelle mir vor, wie der Kreis der Entscheider vor mir sitzt und ich ihnen meine Sicht der Dinge entgegenschleudere. Weil ich weiß, dass diese Situation nicht eintritt, überlege ich mir zumindest, was ich tun würde, wenn ich einen von ihnen das nächste Mal treffe. Der soll bloß nicht glauben, ich gebe ihm die Hand! Das wäre zwar nicht besonders höflich, aber es würde mir ein wenig Genugtuung verschaffen. Dann sehe ich auf meiner Schreibtischunterlage die kurzen Stichpunkte zu Andachten, die ich noch schreiben möchte. Einer lautet „Kill ’em with kindness“ (sinngemäß: „Besiege sie mit Freundlichkeit“) und ich fühle mich ertappt. Das ist ein Lied der Sängerin Selena Gomez, in dem sie beschreibt, dass es immer jemanden geben wird, gegen den man kämpfen könnte, weil man sich im Recht wähnt. „Wenn du das nächste Mal kämpfst, dann entwaffne sie mit Freundlichkeit.“ heißt es im Refrain. Eine verblüffende Aussage! Male dir nicht aus, wie du alle, die dich verletzt oder verärgert haben, fertigmachst, denn so reibt man sich auf und jedes Mal stirbt dabei etwas Gutes in deinem Inneren. Lass dich nicht auf dieses Spiel ein, sondern sei besonders freundlich. Genau dieses Verhaltensmuster klingt auch im heutigen Bibeltext an. Ich soll mich um meine Feinde kümmern und dafür sorgen, dass es ihnen gutgeht. Wie bitte? Das entbehrt doch jeder Logik. Nein, nur meiner menschlichen, gefühlsgeleiteten. Jesus hat vorgemacht, wie das gehen kann. Er war gnädig, hat vergeben und versöhnt. Und wir sollen uns an seinem Beispiel orientieren, an ihm festhalten und überwinden lernen. Wieder einmal weist Jesus mein ausgebüxtes Ego in die Schranken und nimmt mein wild pochendes Herz in seine Hände. Bleib ruhig, überlass das mir. Vermutlich ist genau jetzt der Zeitpunkt für mich, diese Erkenntnis anzuwenden. Vielleicht klappt es morgen sogar schon ohne Zähneknirschen.

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