Andachten

Andacht

Andacht 18.02.2021

18. Februar 2021 | Matthias Müller

Andacht 18.02.2021

Bildnachweis: zettberlin / photocase.de

Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr gleicht übertünchten
Gräbern, die von außen zwar schön scheinen, inwendig aber voll von Totengebeinen und
aller Unreinheit sind.

Harte Worte von Jesus, bei denen ich an lange zurückliegende Erlebnisse denken musste: In der DDR war für jedes noch so kleine Druckerzeugnis eine Genehmigung einzuholen, sofern man mehr als zwölf Exemplare haben wollte (das war die maximale Anzahl von Durchschlägen, die eine Schreibmaschine schaffte). Also reichten wir regelmäßig Texte – etwa für den Druck eines Flyers – ein und bekamen ihn dann oft mit rot unterstrichenen Passagen zurück: „Wenn Sie die angemerkten Passagen weglassen oder überarbeiten, ist Ihr Text genehmigungsfähig.“ Und: „Nein, Zensur ist das nicht, Sie brauchen nur diese Stellen wegzulassen und alles ist in Ordnung.“ Ja, was ist dann Zensur?! Auf diese Weise versuchte man, die dünne Fassade der Rechtsstaatlichkeit zu wahren – und innen war Verwesung. In unserem Teil der Welt gehört dies zum Glück längst der Vergangenheit an. Doch ist es damit auch mit den Fassaden vorbei? Wohl nicht. Wir haben im Allgemeinen den Hang, Dinge und Menschen schöner aussehen zu lassen, als sie wirklich sind. Die Konterfeis der Models auf den Hochglanzmagazinen mögen als Beleg dafür dienen. Jeder weiß, dass sie durch Computerprogramme kräftig bearbeitet wurden, und dennoch üben sie einen (un-) heimlichen Druck aus, besonders auf junge Mädchen, die sich ihrer natürlichen Schönheit nicht sicher sind. Das ist vielleicht ein Grund, warum Jesus so unbarmherzig mit Heuchelei umging – sie übt mit ihrer Schönfärberei ungebührlichen Druck aus, an dem Menschen verzweifeln, weil sie nicht mithalten können. Das ist besonders in Glaubensdingen verheerend. Es ist viel gesünder und heilsamer für alle, wenn wir zugeben, dass wir Unsicherheiten haben, Dinge nicht wissen, Bibeltexte nicht verstehen, oder wenn wir zugeben können, dass unsere Ehe zurzeit nicht so gut läuft und die Spannungen zwischen uns und den Kindern explosiv geworden sind. Das kann anderen mehr Mut machen als eine schöne Fassade. Ich weiß, wovon ich rede – sowohl als jemand, der unter den Fassaden anderer gelitten hat, als auch als einer, der welche aufgebaut hat. Entschuldigung! Seien wir heute gütig und ehrlich.

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