Andachten

Andacht

Andacht 20.05.2020

20. Mai 2020 | Hans-Joachim Scheithauer

Andacht 20.05.2020

Bildnachweis: cydonna / photocase.de

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Vor einiger Zeit las ich die Aussage: „Gestern ist Vergangenheit. Morgen ist Zukunft. Heute ist Gegenwart. Das Jetzt, der Augenblick, ist das, was letztlich zählt.“ Doch wovon leben wir? Was stillt den wirklichen Hunger? Es ist die Liebe Gottes, die zu unserem Eigentum werden darf.
Als ich mir Gedanken über die Aussage des Vaterunsers machte, las ich den Text in „Hoffnung für alle“ so: „Gib uns auch heute, was wir zum Leben brauchen.“ Dabei wurde mir bewusst, dass diese Bitte eine viel größere Dimension beinhaltet als nur das Anliegen, Brot zu haben und sich satt essen zu können. Ich habe wohl jeden Tag in meinem Leben zu essen gehabt. Aber um satt zu werden, gehört auch der seelische Hunger gestillt. Und da bekommt diese Bitte einen tieferen und ganz persönlichen Sinn.
Bei mir selbst und auch in der Seelsorge erlebte ich, dass eine große Not die seelische Verarmung ist. Gott bietet sich an, diese Not in seelischen Reichtum umzuformen. Bevor Jesus während der Bergpredigt das Vaterunser betete, ging er auf das persönliche Gebet des Einzelnen ein und sagte in Matthäus 6,6: „Wenn du beten willst, zieh dich zurück in dein Zimmer, schließ die Tür hinter dir zu und bete zu deinem Vater. … Und dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird dich dafür belohnen.“ (Hfa)
Dieses Zimmer, von dem Jesus spricht, war die Vorratskammer. Der einzige Raum, der verschlossen werden konnte. Wir sollen dort hingehen, wo die Zwiesprache mit dem liebenden Gott ungestört stattfinden kann. Beim Gebet, der tiefsten, beziehungsreichsten Gemeinschaft mit Gott, unserem Vater, soll keine Form oder die Angst, sich falsch auszudrücken, stören. Das tägliche Brot, um körperlich satt zu werden, und das Stillen unseres seelischen Hungers gehören für Jesus zusammen. Er kümmert sich um uns. Bei ihm kann alles zur Entspannung führen.
Es ist der größte Gewinn, wenn wir mit dem Lebenserhalter in innigster Gemeinschaft leben. Gott und wir sind miteinander in Liebe verbunden. Er wird uns Erfüllung schenken – innerlich und äußerlich. So können wir diese Bitte im Vaterunser zu einem ganz persönlichen und wichtigen Anliegen machen.
Ich wünsche uns das echte Sattwerden, das uns jeden Tag begleitet und unsere Liebesbeziehung zu unserem liebenden Gott verstärkt.

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