Andachten

Andacht

Andacht 18.05.2020

18. Mai 2020 | Denise Hochstrasser

Andacht 18.05.2020

Bildnachweis: luh / photocase.de

Und nun, liebe Freunde, lasst mich zum Schluss noch etwas sagen: Konzentriert euch auf das, was wahr und anständig und gerecht ist. Denkt über das nach, was rein und liebenswert und bewunderungswürdig ist, über Dinge, die Auszeichnung und Lob verdienen.

Bei uns im Gemeindehaus steht eine große Yuccapflanze mit vier langen, ausladenden Ästen. Sie stand vorher in einer großen Mietwohnung, doch als der Hauptast an der Decke angelangt war, die Blätter geknickt wurden und der Ast sich krümmte, musste man entscheiden, die Pflanze entweder großzügig zurückzuschneiden oder einen neuen Platz zu suchen. Dort, wo sie war, konnte sie nicht bleiben, sie würde verkrüppeln. Wir boten uns an, den Transport zu übernehmen, wickelten sorgfältig jeden Ast in Folie ein und zwei Männer trugen das schwere Paket in einen Van. In unserer Gemeinde fand die Pflanze ihren neuen Platz mit genügend Raum nach oben zur weiteren Entwicklung. Dort steht sie nun, die Yucca mit den geknickten Blättern, und mittlerweile wachsen neue Blätter nach, und zwar wieder gerade nach oben.
Jede Woche beobachte ich diese Pflanze. Wie ich erlebte sie schwierige Zeiten, in denen sie sich nicht so gut entwickeln konnte. Zeiten von Atemnot, Zeiten von Einengung und auch Zeiten von Schmerz. Solange sie lebt, wird das sichtbar bleiben, aber sie ging daran nicht zugrunde. Sie wächst weiter, jetzt mit Raum und Luft zum Atmen, sie hat Licht und sie kriegt alles, was sie braucht.
Im Leben geht es uns nicht immer gut. Wir erleben vielleicht Missbrauch, einen Unfall, wir erleben einen Verlust und werden unseres Platzes beraubt. Aber wie die Yucca dürfen auch wir uns immer wieder neu ausrichten. Obwohl die Wunden vielleicht für immer sichtbar bleiben werden, liegt es an uns, ob wir klein beigeben oder uns entscheiden, weiterzugehen. Wir können uns darauf konzentrieren, was nicht gut ist, was uns stört und wehtut. Aber wir können uns auch immer dazu entscheiden, das Gute und Schöne zu sehen, das, was uns guttut, und uns daran auszurichten.
Die neuen Blätter der Pflanze machen mir Mut, immer wenn ich sie sehe. Das wünsche ich auch dir, dass du nicht bei den Narben verweilst, sondern dich am Guten und Ermutigenden ausrichten kannst, jeden Tag neu.

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