Andachten

Andacht

Andacht 11.02.2020

11. Februar 2020 | Marli Weigt

Andacht 11.02.2020

Bildnachweis: Katarzyna Wendt

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

In den vergangenen Monaten starben besonders viele unserer Freunde und Verwandten. Immer wieder bekamen wir Trauernachrichten. Oft auch einen Bericht der letzten Lebensstunden. Dankbar hörten wir Worte wie „Er ist friedlich eingeschlafen“, „mit Gott und Menschen versöhnt“ oder „Sie war mit Gott im Reinen“. Warum ist das so wichtig? Es reicht doch, dass ich an Gott glaube.
Es macht mich immer wieder betroffen, wenn ich Menschen erlebe, die oft Jahre und Jahrzehnte unversöhnlich mit Angehörigen, Nachbarn, früheren Freunden oder Partnern leben. Wie kann man Streit nur so lange aushalten? Oft geht es um Eifersucht, Neid, seelische oder körperliche Verletzungen und Misstrauen, aber auch um ungeklärte Missverständnisse. Man redet nicht mehr miteinander, man geht sich aus dem Weg und innerlich verdrängt man das Ganze. Aber das Erlebte bleibt wie ein dunkler Bodensatz auf dem Grund der Seele. Ab und zu wird er mal aufgewirbelt und erzeugt erneut ungute und bösartige Gefühle.
Auch Christen erleben das. Trotzdem beten sie, erwarten, dass Gott ihre verschiedenen Bitten im Leben erhört, fühlen sich gottgläubig und gut. Sie wissen auch, dass alle Menschen sündig sind und dass Jesus deshalb am Kreuz unsere Verfehlungen auf sich nahm, um uns vergeben zu können, wenn wir zu ihm kommen. Warum schleppen sie so lange Unversöhnlichkeit mit sich herum? Warum warten sie darauf, dass der andere den ersten Schritt macht? Denken sie nicht daran, dass sie selbst damit ihre Beziehung zu Gott erschweren?
Ein Pastor predigte über Versöhnung. Nach dem Gottesdienst stand er am Ausgang, um die Besucher zu verabschieden. Da ging ein Zuhörer besonders eiligen Schrittes an dem Prediger vorbei und rief ihm noch zu: „Ich gehe jetzt sofort zu meinem Schwiegersohn und versöhne mich mit ihm!“ Warte nicht bis auf die letzte Minute und geh du zuerst!

Wie ein Fest nach langer Trauer, wie ein Feuer in
der Nacht, / ein offnes Tor in einer Mauer, für die
Sonne aufgemacht … / So ist Versöhnung. So muss
der wahre Friede sein. / So ist Versöhnung.
So ist Vergeben und Verzeihn. (ghs, Nr. 490)

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